Ein Basler fliegt ins Wallis

Posted by | August 21, 2016 | Allgemein, News | 2 Comments

Montag, 8. 8. 2016
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Wind Nordwest, Startbahn Null Drei
ein Wölkchen steht schon an der Rigi
der Duo wartet auf uns zwei
und wir auf die Robin mit Gregi

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Kurz nach elf Uhr trudle ich auf dem Flugplatz ein. Zoom hatte mich am Samstag gefragt, ob ich mitkommen wolle, und da der Montag der letzte schöne Tag vor einer weiteren Schlechtwetterfront zu werden versprach, liess ich mich nicht zweimal fragen. Schliesslich sind solche Tage 2016 nicht allzu üppig vorhanden, und die Flüge von Zoom mit Flugschülern sind bekanntlich legendär!

Zoom ist bereits da und hat seine persönliche Ausrüstung bereitgelegt sowie den Unterstand geöffnet. Also nichts wie hin und den Duo vorbereiten, Gregi kann schliesslich jederzeit von seinem Kaffeeflug nach Sion zurückkommen.

Mein neuer Sauerstoffschlauch ist montiert, ein paar kompostierbare Säcke ebenso wie ein paar Sickness Bags im Cockpit, und natürlich mein drei Liter fassendes Camel Bag. Weiter erbittet sich Zoom, dass ich einen dunklen Hut trage, da ein weisser zu starke Reflexionen am Capot auslöst und ihm so von hinten die Sicht behindert. Zum Glück habe ich einen im Auto.

Bei jeder Landung eines Motorfliegers hoffen wir, es sei Gregi. Schliesslich ist er da, und fragt uns erstaunt, ob wir wirklich ins Wallis wollen? Er habe keine erkennbare Anzeichen von Thermik gesehen und wäre skeptisch…
Doch wir beide stecken so sehr voller Vorfreude, dass es keine Diskussion für uns ist! Wer nicht wagt, der nicht gewinnt…

Danach geht alles schnell. Wir schieben den Duo auf die Piste, während Gregi seine Passagiere verabschiedet und die Flugzeiten notiert. Und schon rollt die Robin ebenfalls auf die Piste.
Nun heisst es das Seil einklinken, reinklettern, anschnallen – Mist, jetzt habe ich mich doch auf die Gurten gesetzt – und schliesslich die Haube schliessen… Welch eine Hitze!

Aletschgletscher

am schweissnassen Leib, da klebt
mir mein T-Shirt, wie bei Regen,
bis der Duo endlich schwebt
dem Grimsel entgegen

 

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Zoom macht natürlich den Start, lässt mich aber nach Erreichen der Sicherheitshöhe den Schlepp fliegen. Es schüttelt teilweise schon stark über den Hügeln, und ich bin froh um Zooms gelegentliches Eingreifen. Schliesslich bin ich immer noch Flugschüler und kenne ausserdem das Verhalten des Duo noch nicht. Der Schlepp zum Grimsel geht schneller als man sich das so vorstellen würde. Meiringen hat gerade Mittagspause, was die Kommunikation zwischen Gregi und uns aufgrund der Tonband Ansage ein wenig beeinträchtigt, aber ansonsten geht alles problemlos.

Und dann klinkt Zoom auf 3000 Metern kurz vor der Grimsel Passhöhe aus. Es kann losgehen!
Ich schalte auf die Alpenflug Frequenz um und schon hören wir viele Segelflieger im Wallis, im Tessin und am Lukmanier einander ihre Positionen durchgeben. Allzu hoch scheint es nicht zu gehen. und  obwohl es im Obergoms Dutzende Segelflieger, doppelt so viele Gleitschirme und auch eine Hand voll Delta Segler hat will es nicht so richtig mit der Thermik. Zoom kümmert sich erst einmal selber darum, dass wir nicht allzuviel Höhe verlieren.
Hier ein wenig Steigen, da ein bisschen mehr, aber alles in allem verlieren wir mehr und mehr an Höhe, bis wir fast auf 2500 Metern unten über Münster sind.
Zoom erklärt mir immer, warum er es wo wieder probiert, Höhe zu gewinnen, und auch, dass er so nahe am Gelände immer eine höhere Geschwindigkeit wählt. Er trimmt den Duo sogar auf 120 km/h, um immer Steuerdruck in die sicherere Richtung aufrecht zu erhalten. Das präge ich mir gerade mal ein.

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Inzwischen hat Zoom einen Schlauch gefunden, der einigermassen vernünftig trägt. Drei andere Segelflugzeuge und ein Deltasegler sind auch schon am Kreisen. Schliesslich gelingt es Zoom, uns wieder auf 3000 Meter hochzuschrauben.
Dann sagt er mir, ich solle mal versuchen, noch etwas höher zu kommen, und überlässt mir das Steuer. Gut, my Control! Ich mache ein paar Kreise, bis Zoom findet, ich solle jetzt nach Westen fliegen, schliesslich wollen wir zum Aletschgletscher. Bei jeder Wolke versuchen wir, ein paar Meter gut zu machen. Ab und zu ermahnt mich Zoom, ich solle doch nicht Achterbahn fliegen. Nun ja, der Duo legt sich sanft in die Kurve, aber die Querlage rollt weiter und weiter, die Kurve wird immer steiler und schneller. Fällt es mir als Motorflieger so schwer, die Querlage mit so starkem Gegensteuer zu stützen, oder ist das ein typisches Anfängerproblem? Wie auch immer, ich konzentriere mich so gut es geht und Zoom übernimmt liebenswürdigerweise immer wieder, damit ich mich erholen kann. Und so landen wir tatsächlich beim Eggishorn. Ich geniesse die Aussicht, ohne die – inzwischen nicht mehr ganz so zahlreichen – Segelflugzeuge aus den Augen zu verlieren. Der Märjelensee hat für mich eine besondere, persönliche Bedeutung und ich freue mich, darüber zu kreisen. Beim Anblick des Aletschgletschers in seiner fast ganzen Länge verschlägt es ja ohnehin jedem und jeder den Atem! Traumhaft. Natürlich bringt Zoom seinen berühmten Selfiestick gekonnt zum Einsatz, und ich freue mich über ein paar echt gelungene Fotos! Nun muss ich mich aber auf die zwei anderen Flugzeuge unter der Wolke konzentrieren und brav meine Kreise mit stabiler Querlage fliegen.
So vergehen zwischen Eggishorn, Bettmeralp und Riederalp unzählige Minuten nicht nur wie, sondern tatsächlich im Fluge, und wir können uns problemlos auf etwa 3200 Metern halten.
Wir stellen aber fest, dass weiter westlich die Basis tiefer ist und entscheiden deshalb, langsam zurück Richtung Obergoms zu fliegen. Über Münster sind inzwischen nicht mehr so viele Segelflieger unterwegs, und die meisten deutlich weiter unten. Wahrscheinlich sind einige Richtung Süden auf Strecke gegangen, die anderen dürften wohl abgesoffen sein. Zoom freut es sichtlich, den meisten Segelfliegern überhöht zu begegnen. Ich lerne immer mehr, worauf es in diesem Sport ankommt, und es macht mir riesigen Spass.
Inzwischen haben wir am Westende des Oberaarsees eine Kante gefunden, die ziemlich gut trägt. Immer wieder kehren wir zu dieser zurück und schrauben uns sage und schreibe einmal bis 3600 Meter hoch!
Wir versuchen mit dieser Höhe zum Finsteraarhorn, zum Schreckhorn und auch bloss zum Grimsel vorzudringen, stellen aber fest, dass in all diesen Richtungen nichts Offensichtliches zu finden ist, was uns länger oben halten würde. Und so machen wir uns schliesslich langsam auf den Gleitflug nach Hause.
Kurz nach der Grimselpasshöhe, wir sind bereits auf 2800 Meter abgesunken und überall scheint es nur noch Abwind zu haben, wundert sich Zoom, dass wir auf der Luv-Seite noch keine Steigzone gefunden haben. Es ist schliesslich Nordwestwind, und davon müsste irgendwo etwas spürbar sein.

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Bettmeralpsee

 

Nach ein paar Minuten der Verwunderung geht es los – es steigt wieder! Und dann…. plötzlich wird es „chileruehig“. Ich habe den Eindruck, der Duo sei stehen geblieben. Das einzige Geräusch ist das bibibibibibibip des Varios. Verwundert frage ich, was denn das jetzt sei – Zoom kreist nicht einmal. „Das ist eine kleine Welle! Wir müssen eine kleine Welle erwischt haben“, ruft Zoom mit Begeisterung. Ich fasse es nicht. So fühlt sich das also an! Unglaublich. Und es steigt und steigt!
Inzwischen drückt meine Blase aber in nicht mehr auszuhaltendem Masse, und meine ersten beiden Versuche mit dem Kompostierbeutel waren nicht erfolgreich gewesen. Darum erinnere ich mich gar nicht mehr daran, wann und wie wir diese Welle verliessen. Ich weiss nur noch, dass wir uns unmittelbar vor der TMA Grenze von Meiringen befanden. Zoom fragte mich, ob ich funke. „Klar“, sage ich, aber irgendwie will mir der Name des Dorfes da unten gerade nicht einfallen. Zoom wird ungeduldig, schliesslich sind wir bald in der TMA drin. Also rufe ich auf… Eigentlich fühle ich mich normalerweise sehr wohl in Sachen Voice, und auch an den Englischkenntnissen dürfte es nicht liegen, als ich sage: „position, äähm… ähm, south of TMA 1“. Prompt fragt der militärische Controller von Meiringen nach und will wissen, wo wir genau sind. Zoom kommt mir zu Hilfe und übernimmt nun den Funk: „approaching Interlaken from the south…“
Nun ist der arme Controller vollends verwirrt. „Interlaken? Not Meiringen?“
Doch, natürlich Meiringen, weiss Zoom ihn zu beschwichtigen und wir durchqueren erleichtert die TMA. Als wir uns über dem Hasliberg mit „Crossing completed“ abmelden wollen, möchte der gewissenhafte Herr am Boden schon noch wissen, wo wir denn jetzt seien. Mit der Angabe Hasliberg ist er dann zufrieden und lässt uns die Frequenz wechseln. Dies war bestimmt weder eine Sternstunde meiner Voice noch meiner Geographiekenntnisse, denn das „ähm… south of TMA“ wäre nicht Interlaken, sondern Innertkirchen gewesen…

 

 

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Jä nu, nach diesem Intermezzo versuchen wir unser Glück noch im Gebiet der Haglern und Sörenberg. Inzwischen macht sich einerseits die immer noch starke Abendsonne, andererseits der deutlich spürbare Nordwestwind bemerkbar. Je länger wir dort herumkreisen, desto besser werden die Schläuche. Zum Glück konnte ich inzwischen einen Kompostierbeutel loswerden, denn den Schlauch des Tages finden wir tatsächlich ebenfalls an einer Abrisskante nördlich von Sörenberg. Wieder entspannt und zufrieden versuche ich trotz der aufkommenden Müdigkeit sauber zu kreisen. Es steigt wie verrückt bis ganz an die Basis der Wolke.

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Unter den Wolken, muss die Thermik wohl grenzenlos sein,
Kreise ziehen wie im Reigen, und all dies
dreht sich dabei um das Steigen, zur Basis,
abzusinken lassen wir doch nicht zu
und geniessen die Ruh’…

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Erst gegen sechs Uhr abends bewegen wir uns langsam aber sicher zum Glaubenberg und weiter zum Jänzi. Auch hier sind noch ein paar mehr oder weniger konstante Schläuche zu finden, und wir sind auf etwa 2400 Metern, als wir quer über das Tal zum Stanserhorn hinüber abgleiten. Es reicht noch für ein paar Kreise über dem Berghaus, allerdings ohne ernsthaftes Steigen, und schliesslich setzen wir noch für einen Abstecher an die Rigi an. Ich melde uns, dieses Mal korrekt, in Buochs an, und wir fliegen über den Bürgenstock in Richtung Weggis. Am Bürgenstock ist nun der Nordwestwind zu spüren, nicht gewaltig, aber immerhin sinken wir nicht. Es reicht uns fast bis Weggis, aber da wir doch nur noch im Gleitflug sind empfiehlt Zoom, noch über dem See zu wenden. Wieder können wir über dem Bürgenstock die Höhe halten und wollen über den Muttenschwandenberg nach Kägiswil zurückkehren, als wir bei Hergiswil erneut über einen ernstzunehmenden Schlauch stolpern. So gibt es auch hier noch ein paar Kreise und wertvolle Minuten, bevor wir schliesslich via Sachseln und den Sarnersee in den Abkreisraum 21 links einfliegen und Zoom den Duo nach genau 6 Stunden und 11 Minuten souverän auf der Piste 21 landet.

Danke Zoom und Gregi, das war eine grossartige Lektion für mich und hat unendlich viel Spass gemacht! Bis auf die volle Blase habe ich kaum mitbekommen wie die Zeit verging. So ein Flug macht wirklich Lust auf noch viele solcher Segelflüge, mit Zoom oder sonst einem Kameraden, oder hoffentlich schon bald auch einmal im Einsitzer.

 

im Wallis

im Wallis

 

 

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