Pfingsten 2014 – 6000 Streckenkilometer von SGOW-Piloten ab Kägiswil in 3 Tagen

Posted by | Juni 29, 2014 | Events, Flugleistungen | 8 Comments

Schon letztes Jahr hatten wir am Pfingstsamstag einen speziellen Tag für die SGOW, waren doch mehrere Piloten über dem Gadmental in einer Föhnwelle auf über 6000 m.ü.M. Das Pfingstwochenende 2014, 3 Wochen später als letztes Jahr, bot keine Wellenlagen, aber Streckenflugwetter während dreier Tage. Nicht 6000 m hoch, aber 6000 km weit!

Die Flugwetterprognose für das Pfingstwochenende war gar nicht so toll. Für unsere Voralpen war „mässig“ und Blauthermik angesagt. Ferner fand noch die internationale Sarnersee-Ruderregatta statt und das OiO (Oldtimer in Obwalden). Aber wie immer folgte ich (Zoom) meinem Motto: „Wenn das Wetter Flüge erlaubt und du es einrichten kannst, musst du fliegen gehen, sonst kommst du auf keine Stunden!“. Falls am Briefing ein grosser Pilotenandrang herrschen sollte, hatte ich ja zwei Alternativen.

Samstag, 7.6.2014

Als ich meine 400 Meter Anfahrtsweg zum Flugplatz unter die Räder genommen hatte, sah ich Wisi Bissig, der vor unserem Baulokal auf dem Bänkli wartete. Der Flugplatz Buochs war wegen eines Anlasses gesperrt und Wisi überflog seinen Nimbus 4D frühmorgens, um dann um 10.00 Uhr ab Kägiswil starten zu können (Er flog an diesem Tag übrigens 860 km, in den oben erwähnten 6000 km nicht dabei!). Ein Gerangel gab es nicht. Fascht, Andriu, Reuti, Urs, Moritz und Zoom hatten ihre Sitzplätze und auch die Schüler kamen auf ihre Kosten. Reuti musste sogar den Duo solo spazieren führen.

Fascht startete als erster um 11.00. Angesagte Blauthermik und verhaltener Thermikstart in der Prognose liess keine Frühstart-Eile aufkommen. Am Jänzi konnte man jedoch Höhe machen und am Niederhorn kam ich auf 3000 m.ü.M. Dadurch war klar, dass ich über den Niesen fliegen wollte. Fascht war vorne unter mir. Er flog zuerst Richtung Stockhorn, schwenkte dann aber auch Richtung Niesen. „So, nun versuchst du mal, dem Fascht zu folgen“, sage ich mir. Es ist mir fast gelungen! Auf der Niesenkette und im Berner Oberland gebe ich mir grosse Mühe beim Kurbeln! „Nicht zu schnell fliegen und den Faden leicht nach aussen hängen lassen!“ Beim Albristhorn rufe ich Fascht auf. Er gibt mir aber keine Antwort. Kein Problem, schliesslich sind alle Piloten heute sehr schweigsam. Weiter geht’s zum Rawilpass. Ich nehme die direkte Route und Fascht fliegt den Talkessel aus. Ich will nochmals mit ihm Kontakt aufnehmen. Wieder keine Antwort. Ich blicke aufs Funkgerät. Mist! Mit 123.175 liege ich leicht daneben. Ich stelle die richtige Frequenz ein und schon gibt Fascht Antwort. Er hatte sich schon gefragt, wieso ich so schweigsam war. Nun höre ich Fascht endlich, aber dafür sehe ich ihn bald nicht mehr. Er flog die bessere Linie, ich baggerte 5 Minuten lang und schon ist es vorbei mit dem Nachfliegen. Fascht fliegt über Riederalp, Binntal, Italien nach Biasca und über Chiavenna ins Engadin bis nach Müstair und übers Reusstal zurück (509 km). Ich fliege über den Pizzo Rotondo zurück ans Bietschhorn und nach Zermatt (4300 m), dann über den Grimsel zurück zum Rossberg (423 km). Reuti fliegt den Duo solo über Fully (bei Martigny), Grimsel, Monte Leone, Andermatt, Ortstock (östl. Klausenpass) (414 km). Andriu fliegt über Les Diablerets, Grimsel, Titlis zum Klausenpass (326 km). Urs fliegt 4 1/2 Stunden in der Zentralschweiz und die Schüler gehen mit Fluglehrer Flört und dem Twin auf Wanderschaft.

der Dom im Wallis

der Dom im Wallis

 

Sicht auf das Matterhorn

Sicht auf das Matterhorn

Sonntag, 8.6.2014

Wie wird’s wohl heute? Wieder eine hohe Basis und viel Blauthermik? Hat es heute mehr Piloten, durch die gestrigen OLC-Einträge motiviert oder rückt die Fliegerei an Pfingsten in den Hintergrund? Fascht will es nochmals wissen, er wird ja bald Fluglehrer sein und wer weiss, vielleicht muss er die Streckenfliegerei dann etwas reduzieren. Sporn kommt und will mal schauen… Adi und Manuel wollen LS-4 fliegen. Dann bleiben noch eine LS-4 und der Duo. Terra und ich beschliessen, den Duo zu fliegen, schliesslich heisst das Ding Duo und nicht Solo. Eine LS-4 bleibt am Boden. Fascht schlägt zu: Er fliegt über Leukerbad ins Wallis, über Chur via S-Chanf zum Nationalpark (Bormio) und nach St Leonhard im Pitztal (sw von Innsbruck), über den Arlberg zurück nach Chur zum Oberalp und nach Ballwil (LU) (644 km mit einem Schnitt von 87 km/h). Sporn fliegt über den Lac de Fully nach Zermatt (4450m), dann über den Grimsel zur Rigi (454 km) Im OLC Kommentar Pilot schreibt Sporn: „Einfach ein bisschen spazieren fliegen, bei der Hitze“. Steffi und ich fliegen über den Lac de Fully zum Grimsel, zurück zur Sex Noir bei Sion, müssen im Lötschental auf 4550 m das Kurbeln abbrechen, um nicht in Airspace Charlie einzufliegen, gleiten in 4300 m.ü.M über den Konkordiaplatz und wir müssen uns beim Grimsel in 4000 m.ü.M nicht fragen, ob es wohl an die Rigi reiche? (464 km). Peter Steinmann ist mit dem Taurus im Wallis und Adi und Manuel fliegen in ihren Flugrayons. Auch an diesem Tag ist unser Cheffluglehrer Flört für seine Flugschüler da. Er fliegt mit 2 Schülern zum Niederhorn und retour, was er noch nie gemacht hat.

Aletschgebiet

Aletschgebiet

Terra mit Zoom im DuoDiscus

Terra mit Zoom im DuoDiscus

Montag, 9.6.2014

Aber heute gibt es einen Ansturm! Ich habe ja nicht weit, „Geh mal schauen“, sag ich mir. Sonst gibt es einen Tag im Liegestuhl. Denkste! Auch heute haben wir einen Sitzplatz frei, eine LS-4 bleibt wiederum am Boden. Aber Jnfo, ein seltener Gast, will es in einer LS-6 wissen. Thomas, der heute von Schletz abgelöst wird, fliegt die andere LS-6. Dani Baumli will mit seinem Kollegen einen Passagierflug machen. Dieser scheint aber die Vorabendparty noch nicht ganz verarbeitet zu haben und sagt ab. Glücklicherweise ruft jemand an, der einen Passagiergutschein hat. Was für ein Glückspilz er ist, wird der Passagier später merken. Adi Bucher und ich machen zwei LS-4 startbereit. Thomas, der die letzten zwei Tage für Schulung aufgewendet hat, macht seinen bisher tollsten Flug. Er fliegt über Lac de Tseuzier (Crans-Montana), Disentis, Savognin zum Nationalpark, zurück nach Interlaken, dann zum Gotthard und über Risch am Zugersee nach Hause. (645 km bei einem Schnitt von 96.6 kmh). Info fliegt auch ins Engadin, stellt seinen Flug aber nicht in den OLC. Dani Baumli fliegt mit seinem Gutscheinpassagier über Sörenberg zum Schwarzhorn und meldet schon bald am Funk „3438 4000 m Titlis“. Ziemlich cool für den Passagier, denke ich. Gut eine Stunde später „3438 über Samaden“. Habe ich richtig gehört? Ist der Baumli mit dem Passagier ins Engadin geflogen? Als ich ihn beim Zusammenräumen darauf anspreche, meint er „Ja, wenn am Titlis die Basis auf 4000m ist, kannst du einfach geradeaus ins Engadin fliegen!“ Dieser Passagier hatte wirklich Glück. Dani meinte, man müsste für solche Flüge einen Taxameter einbauen und ab einer gewissen Distanz oder Höhe einschalten, da eigentlich ein Aufpreis fällig wäre. (434 km). Ich fliege vom Hohgant von 3600m aus über den Niesen (so schön unter mir…) zum Albristhorn (3800m) und von dort direkt über den Pleine Morte Gletscher ins Wallis. Dann hoch zum Furkapass und nochmals zum Aletschgletscher. Wegen einem Gewitteraufzug muss ich den Rückweg antreten und fliege über Göschenen, Höch Windgällen, Bös Fulen (südlich Klöntalersee) zum Brienzer Rothorn und zurück nach Kägiswil. (372 km). Adi fliegt im Raum Pilatus, Niederhorn, Titlis 227 km und macht den 5-Stünder. Die Flugschüler fliegen in Höhen bis 4000 m mit Schletz den Twin spazieren.

Grimsel

Grimsel

185 km/h bei 0,5 m/s Steigen

185 km/h bei 0,5 m/s Steigen

Fazit:

  • Die Prognose war nicht sehr gut, trotzdem konnten wir tolle Flüge machen.
  • Die Blauthermik war nicht immer leicht zu finden und zu zentrieren, ferner pulsierten die Aufwinde teilweise. Aber die Basis war jeweils sehr hoch.
  • Am Samstag überdeckte ab 16.00 ein Cirrusschleier den Himmel, der die Sonne verschwinden liess und die Thermik stark dämpfte. Am Sonntag stellte die Blauthermik um 17.00 plötzlich ab und am Montag zogen Mitte Nachmittag Gewitter auf.
  • Ich flog an diesen 3 Tagen rund 20 Stunden und über 1200 Streckenkilometer und war jeden Tag in mindestens 4000 m.ü.M im Wallis.
  • Ab Kägiswil wurden am Pfingstwochenende 2014 von SGOW Piloten über 6000 Streckenkilometer geflogen.

Ich freue mich auf Pfingsten 2015!

Zoom (Guido Müller), 29.6.2014

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