Aussenlandung – Ein Erfahrungsbericht

Posted by | Juli 05, 2014 | Allgemein | 5 Comments

Das Wetter sieht vielversprechend aus. Der Wind aus Westen mit 20-25 km/h ist relativ stark. Die Thermik zeichnete sich nur schwach ab, da die Wolken jeweils vom Wind verweht werden. Es gibt anfangs nur kleine Fetzen am blauen Himmel. Das schöne ist, dass es unter jeden noch so kleinen Fetzen gut steigt. Überaus einfach ist es an diesem Tag nicht zu fliegen. Lee und Luv Seiten zu verwechseln liegt heute nicht drin. Die schräg stehenden Schläuche sind nicht einfach zu finden – zusätzlich stehen viele von diesen mitten im starken Lee. Und beim Vorfliegen gegen den starken Gegenwind verbrauche ich in der LS-4 viel wertvolle Höhe.

Kurzum es ist ein Tag an dem mir alles abverlangt wird. Oder anders ausgedrückt- einer der Tage an dem ich immer am meisten dazulerne. Tagesziel – das mir neue Gebiet um Samedan zu erkunden.

Bis zum Arlbergpass läuft es gut, ich finde immer wieder den Weg bis unter die Wolkenbasis und die Wolken zeichnen besser als noch in der Früh. Jedoch ist der Himmel ab Bludenz in Richtung Westen Blau. So entschliesse ich mich über Davos zurück nach Samedan zu fliegen. Dieselbe Strecke zurückfliegen will ich nicht und der Weg über die Landesgrenze scheint anhand der genügend hoch stehenden Wolken möglich.

Ab hier habe ich Mühe…

Beim Berg Hochloch (2520m) steht eine schöne Wolke auf ca. 2800m. Zusätzlich steht der Hang gut zur Sonne und zum Wind. Dort bei der Südwestflanke will ich Höhe Tanken um das Tal weiter in Richtung Süden zu queren. Aber da ist nichts- überhaupt gar nichts! Genervt, weil ich die Situation nicht verstehe fliege ich zurück zum vorherigen Thermikschlauch. Ich komme relativ tief an und muss mich mit anspruchsvollen Achten mühselig ausgraben. Wenig später bin ich aber wieder auf 2800m.

Übersicht der letzten Flugkilometer

Übersicht der letzten Flugkilometer

 

Der Berg Hochloch funktioniert nicht deshalb muss eine andere Lösung her. Eine weitere Wolke steht in der Nähe von Partenen auf ca. 3200m. Da fliege ich hin. Aber auch da will es nicht so recht steigen. Kurzentschlossen und etwas ungeduldig, ohne die erwähnte Wolkenbasis zu erreichen, quere ich das Tal. Knapp aber mit der nötigen Höhe erreiche ich die Krete und suche diese ab, um die Wolke darüber zu erreichen. Im hinteren und engeren Bereich des Tales steigt es. Mit Achten versuche ich dieses Steigen auszuwerten. Aber der Schlauch und auch die Runse sind sehr eng. Ausserdem befinde ich mich über einem Skigebiet, Stahlseile für Lawinensprengungen etc. sind zu befürchten.

Das ist mir zu riskant… Ich lasse vom engen Schlauch ab, im Wissen das ab hier vermutlich meine freie Flugwahl endet. Mit 2100m segle ich ins offene Tal und greife nach meinem Aussenlandefelder Katalog. Auf der Übersichtsseite prüfe ich wo die Felder liegen. Sieben Landefelder liegen in meinem Trichter. Ich konzentrierte mich auf die grünen und somit einfachen Aussenlandefelder Nenzing, Ludesch und Tschagguns. Bei meinem Oudie wähle ich Nenzing aus. Denn es liegt für die die Rückholer am nächsten. Die Höhe für dorthin reicht bestens.

Übersicht der Aussenlandefelder

Übersicht der Aussenlandefelder

 

Jetzt konzentriere ich mich wieder aufs Fliegen, ich prüfe jeweils kurz die angrenzenden Täler ob Sie vom Wind angeströmt werden und ich den Luv Wind allenfalls nützen kann. Jedoch ist dem nicht so. Am Eingang des Tales liegt ein Hang der einigermassen gut zum Wind steht und eine felsige, besonnte Runse hat. Hier will ich ein letztes Mal versuchen Höhe zu machen. 100m kann ich an Höhe gewinne und verliere diese auch gleich wieder. Ein weiter Versuch und ich gewinne wieder 100m. Höher geht es leider nicht. Vermutlich gibt es eine Inversion im unteren Bereich des Tales. Das konzentrierte Fliegen am Hang und die Hitze so tief unten im Tal machen mir zu schaffen. Ich gebe endgültig auf und fliege in Richtung Nenzing. Ich muss schmunzeln denn beim Aussenlandefeld Ludesch steht bereits ein Segelflieger auf der Wiese. Denn lass ich mal alleine- denke ich mir und fliege weiter. Jetzt schlage ich den Aussenlandekatalog auf und studiere die Felder in Nenzing. Die Felder zu finden stellt sich als schwieriger heraus als ich dachte, denn der Winkel der Fotoaufnahmen entspricht nicht meiner Flugroute. Mit dem drehen der Karte nach Norden klappt es dann gut.

Genau über den Feldern muss ich feststellen, dass beinahe alle Felder mit Mais bepflanzt sind. Praktisch 1:1 wie auf dem Foto. Ehrlich gesagt habe ich keine Lust in halbhohen Maisfeldern zu landen und die grünen Wiesen dazwischen sind relativ kurz. Ich finde einen schwachen Schlauch genau über den Feldern und kann jetzt jede einzelne Wiese in aller Ruhe studieren. Die Windrichtung kenn ich bereits. Auch versetzt mich der Schlauch, was mir die Windrichtung unten im Tal bestätigt. Dann habe ich meine Wiese gefunden. Sie liegt etwas am Rand und ist frisch gemäht. Einzig der Anflug ist etwas anspruchsvoller, da es Bäume im Anflug hat.
Immer noch am Kreisen versuche ich Flört und Terra per Funk zu erreichen. Jedoch ohne Erfolg. Darum rufe ich Flört per Handy an und sage ihm, dass ich demnächst zur Aussenlandung in Nenzing nähe Feldkirch ansetzten werde. Die Telefonverbindung ist schlecht und bricht zusammen. Er hat aber alles verstanden.

Aussenlandefelder von Nenzing - mit meiner Anflugroute

Aussenlandefelder von Nenzing – mit meiner Anflugroute

 

In aller Ruhe mache ich das Landebriefing. Im Abkreisraum steigt es immer noch leicht. Dann sage ich zur mir „So Daniel, jetzt gehst du landen!“ Mit gezogenen Bremsklappen sinke ich ab und gehe in den rechten Gegenanflug. Ein Blick zurück und ich merke, dass ich zu nahe abgereist bin. Ich korrigiere leicht nach links und weite den Gegenflug aus. Meine Anfluggeschwindgkeit setze ich auf 105km/h. Etwas höher – um allfälligen Verwirbelungen der Bäume entgegen zu wirken. Im Endanflug fällt mir auf, dass es eine ca. 3m Hohe Absenkung hat. Die ist mir vorhin nicht aufgefallen, durch die falsche Perspektive ist mein Aufsetzpunkt weiter hinten als angedacht. Dann geht alles sehr schnell. Ich setzte auf und merke sofort, dass ich noch sehr schnell bin und die Länge der Wiese knapp wird. Umgehend gehe ich auf die Bremsen. Fast im selben Moment fängt meine LS-4 an, seitlich über die mit gemähtem Heu belegte Wiese zu schlittern und kommt dadurch rasch zum Stehen. Noch etwas aufgeregt von der Situation und verwirrt durch die 70° Drehung steige ich aus der LS-4. Ich bin wohlauf, einzig meine Hände zittern leicht.

Landeinteilung - Mit optisch schwach wahrnehmbarer Senkung

Landeinteilung – Mit optisch schwach wahrnehmbarer Senkung

 

Angrenzende Bauern, Motorrad- und Velofahrer kommen angelaufen und fragen nach meinem Befinden. Alles OK , sage ich!

Ich befürchte jedoch, dass die LS-4 durch das seitliche Schlittern Schaden genommen hat. Stelle aber fest, dass es einen riesen Haufen Heu unter dem Rumpf und dem Rad hat. So war die LS-4 vermutlich auf diesem Büschel seitwärts, aber wie auf Federn gebettet über die Wiese geschlittert.
Ich informiere die örtliche Polizei wegen dem Streckenflugformular und den Bauern dem die Wiese gehört. Beide Parteien nehmen es auf die österreichische Art – überaus gelassen und sind äusserst freundlich.
Ca. 3h später kommen Flört und Terra mit dem Anhänger und holen mich ab um 01.00 legen wir uns schlafen….

Tagesbilanz: 6h im Flugzeug 6h auf der Strasse

 

„Flört & Terra nochmals herzlichen Dank für eure Hilfe!“

 

Fazit- oder was ich aus dieser Erfahrung mitnehme.

  • Flugroute im Flug selber besser planen, abschirmende Gebirge besser beachten.
  • Genügend Zeit einberechnen für das Aufspüren der Landewiesen
  • Mögliche Aussenlandefelder miteinander vergleichen selbst wenn alle Grün/Einfach sind!
  • Die Wiese in Ludesch wäre in meinem Fall noch grösser und einfacher gewesen.
  • Aussenlandekarten genau studieren und lesen. Ich habe den gelb markierten Hügel übersehen und den Text im Katalog NICHT gelesen.
  • Geschwindigkeit im Endanflug und Shortfinal stärker zurücknehmen.
  • Jeweils Windjacke mitnehmen, ich hatte zum Glück am längsten Tag im Jahr bis um 21.15 Uhr Sonne, danach wurde es Kühl.
  • Tasche oder Rücksack mitnehmen, damit ich die Wertsachen einpacken kann und mich falls nötig vom Flieger entfernen kann.
  • Und am wichtigsten ohne Rückholer bist du aufgeschmissen 😉 Danke Flört & Terra
Die Aussenlandewiese - Blick gegen den Anflug - Sichtbar die Senkung und Bäume.

Die Aussenlandewiese – Blick gegen den Anflug – Sichtbar die Senkung und Bäume – (Die LS-4 wurde bereits gedreht und an den Rand geschoben)

Milan

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Milan hat 2010 sein Brevet gemacht und fliegt seither bei der SGOW in Kägiswil.

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